Doppelgrabegabel richtig benutzen: Anleitung + Fehler
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Eine Doppelgrabegabel (Broadfork/Grelinette) ist ein einfaches Werkzeug. Aber wenn du sie falsch benutzt, merkst du es schnell – im unteren Rücken, in den Handgelenken oder (im schlimmsten Fall) in den Füßen.
In diesem Beitrag zeige ich dir die genaue Technik, die ich selbst benutze. Es ist die gleiche wie im Video unten: sicher, effizient und gemacht dafür, viele Beete hintereinander zu lockern, ohne deinen Körper zu ruinieren. Das Ziel ist nicht, den Boden „umzugraben“ wie mit einem Spaten. Das Ziel ist, ihn aufzubrechen, damit Luft und Wasser zirkulieren können, Wurzeln tiefer gehen und das Bodenleben dort bleibt, wo es hingehört.
Wenn du dir das Werkzeug zuerst ansehen willst: hier ist unsere Doppelgrabegabel (Broadfork). Und wenn du ein komplettes System für Dauerbeete aufbauen willst, findest du unsere weiteren Werkzeuge für die Marktgärtnerei hier.
Video: Doppelgrabegabel richtig benutzen
Warum eine Doppelgrabegabel (statt Motorfräse)
Auf kleinen Höfen und in der Marktgärtnerei wollen wir bei der Beetvorbereitung meist drei Dinge:
- Der Boden soll besser atmen und besser abtrocknen/abfließen.
- Struktur und Bodenleben sollen so intakt wie möglich bleiben.
- Wir wollen einen Ablauf, den wir die ganze Saison wiederholen können – ohne Maschinen und ohne Rückenschmerzen.
Eine Motorfräse zerschlägt den Boden und mischt Schichten. Viele nutzen sie, weil es schnell geht. Aber der Preis ist Störung. Eine Doppelgrabegabel macht es anders: Sie öffnet und „knackt“ den Boden, ohne ihn zu wenden. Das ist keine Magie – aber ein sehr praktisches Werkzeug für Low-Till- und No-Dig-Systeme, besonders in Dauerbeeten.
Sicherheit zuerst: die Fehler, die zu Verletzungen führen
Ich starte mit dem, was du nicht tun solltest – denn genau diese Fehler verursachen Verletzungen oder beschädigen Werkzeuge. Ich habe sie alle schon gesehen.
Nicht hoch anheben

Hebe die Doppelgrabegabel niemals hoch in die Luft. Die Zinken sind scharf und aus gehärtetem Stahl. Wenn du ausrutschst oder das Werkzeug zurückfedert, kannst du dir in den Fuß stechen. Zinken immer niedrig halten. Immer.
Den Boden nicht „aufspießen“
Manche versuchen, die Doppelgrabegabel wie einen Speer in den Boden zu werfen. Sieht stark aus, ist aber nicht effektiv. Du verlierst Kontrolle, verschwendest Energie und erreichst keine gleichmäßige Tiefe. Am besten funktioniert sie mit Körpergewicht – nicht mit den Armen.
Nicht auf die Stange springen

Spring nicht auf der Querstange auf und ab. Das ist schlecht für Sprunggelenke und Knie und belastet die Griffe unnötig. Arbeite mit kontrollierter Gewichtsverlagerung. Du bekommst bessere Ergebnisse und hältst länger durch.
Nicht überbeugen und nicht zu weit ziehen


Das ist der häufigste Fehler. Viele ziehen die Griffe viel zu weit nach hinten und beugen dabei gleichzeitig den Rücken. Die Wahrheit ist: Ab einem gewissen Punkt bringt es nichts mehr. Der Boden ist bereits geknackt. Alles, was du dann noch machst, ist unnötige Bewegung – und Belastung für deine Wirbelsäule. Boden knacken. Nicht versuchen, das Beet in der Mitte zu falten.
Der richtige Ablauf (Schritt für Schritt)
Das ist der Zyklus. Wenn du ihn einmal drauf hast, wird das Arbeiten mit der Doppelgrabegabel flüssig und fast entspannend. Es ist ein Rhythmus.
Schritt 1 – Ansetzen, Fuß, Gewichtsverlagerung

- Setz die Zinken dort an, wo du den ersten „Biss“ willst.
- Stell einen Fuß auf die Querstange (das runde Rohr).
- Verlagere dein Körpergewicht auf diesen Fuß und lass das Werkzeug eintauchen.
Tipp: Das ist kein Stampfen – sondern eine kontrollierte Gewichtsverlagerung.
Schritt 2 – Boden knacken (kleiner Zug nach hinten)

Jetzt nutzt du die Griffe als Hebel. Rücken neutral halten und nur leicht nach hinten ziehen, bis du spürst, wie der Boden „knackt“. Das ist der Punkt. Du willst den Boden nicht anheben. Du erzeugst Risse/Spalten, damit Wasser, Luft und Wurzeln sich bewegen können.
Schritt 3 – Schieben statt heben (10–20 cm)
Das Geheimnis, um dir über einen ganzen Arbeitstag den Rücken zu sparen: Heb die Doppelgrabegabel nicht jedes Mal an. Schieb sie einfach am Boden nach hinten zur nächsten Position – etwa 10 bis 20 cm. Schieben macht die Arbeit leichter und schneller.
Wiederhole den Zyklus über das Beet mit gleichmäßigem Abstand.
Ergonomie: der „Katzenstand“ für einen sicheren Rücken
Wenn du Rückenschmerzen im unteren Rücken hast (oder sie vermeiden willst), ist das wichtiger als Kraft.

Ich nenne es „Katzenstand“, weil es aus dem Kampfsport kommt. Die Idee ist simpel: Die Beine machen die Arbeit, der Schwerpunkt bleibt kontrolliert, und die Wirbelsäule bleibt neutral, wenn das Werkzeug unter Last steht.
- Dein Gewicht läuft über die Beine – nicht über den unteren Rücken.
- Der Schwerpunkt bleibt kontrolliert, dadurch ist die Bewegung effizient.
- Der Rücken bleibt neutral – kein Rundrücken, kein „Einsacken“.
In der Praxis:
- Knie weich (nicht durchgedrückt)
- Hüfte unter dir (kein starkes Vorbeugen)
- Die Arbeit kommt aus Gewichtsverlagerung – nicht aus einem großen Ruck
Wenn du merkst, dass du den Rücken rund machst: stopp, neu ausrichten, weiter. Die richtige Technik fühlt sich ruhig an. Daran erkennst du, dass es passt.

Verdichteter oder schwerer Boden: so geht’s ohne dich zu zerstören
Wenn der Boden verdichtet ist – neuer Garten, schwerer Lehm, viel Verkehr – versuch nicht, alles in einem Durchgang zu erledigen.
- Mach 2 bis 3 Durchgänge im gleichen Bereich und geh dabei schrittweise tiefer.
- Fokussiere auf Öffnen/Knacken – und dann weiter.
Es fühlt sich langsamer an, ist in der Praxis aber meist schneller. Du sparst Energie, schützt deinen Körper und überlastest das Werkzeug nicht.
Praxisnotiz: In verdichtetem Boden sind 2–3 Durchgänge besser als ein Kampf um volle Tiefe.
Praktische Tipps für saubere, wiederholbare Beetvorbereitung
- Bodenfeuchte zählt. Ist der Boden zu nass, kann das Lockern schmieren statt Struktur zu öffnen. Ist er knochentrocken, kämpfst du mit dem Werkzeug. Ziel: „krümelig, nicht klebrig“.
- Halte den Rhythmus. Schnell wird’s, wenn es gleichmäßig und wiederholbar läuft.
- Jage nicht nach Perfektion. Du öffnest Kanäle – du machst kein Pulver.
- Nutze Oberflächenwerkzeuge, wenn nötig. Die Doppelgrabegabel öffnet den Boden, sie macht kein perfektes Saatbett. Wenn du eine sauberere Oberfläche willst oder Keimunkräuter stören möchtest, mach das als eigenen Schritt.
- Lockere nur, wenn es wirklich nötig ist. In Dauerbeeten ist das kein wöchentliches Ritual. Nutze die Doppelgrabegabel, wenn Verdichtung sichtbar wird oder ein Beet wirklich Lockerung braucht.
Praxisnotiz: Die meisten Anfänger ziehen die Griffe zu weit nach hinten – knacken reicht.
Praxisnotiz: 10–20 cm schieben statt heben – das spart den Rücken.
Häufige Fehler (Kurz-Checkliste)
- Werkzeug hoch anheben (gefährlich)
- Den Boden „aufspießen“/werfen (Energieverlust, keine Kontrolle)
- Auf die Querstange springen (belastet Gelenke, stresst Griffe)
- Zu weit ziehen und den Rücken rund machen (Belastung ohne Nutzen)
- In hartem Boden sofort volle Tiefe erzwingen (Ermüdung + Schadensrisiko)
- Jeden Schritt heben statt schieben (langsam + anstrengend)
- Lockern bei zu nassem Boden (schmiert statt zu öffnen)
Werkzeug-Checkliste
Für eine saubere „Doppelgrabegabel-Session“ empfehle ich:
- Eine Doppelgrabegabel (Broadfork) passend zu deinem Beet-System
- Stabile Stiefel (bitte nicht in weichen Schuhen)
- Handschuhe (optional, aber angenehm bei Kälte/Nässe)
- Einen einfachen Plan: wo du startest und wo du endest
Optionale Workflow-Werkzeuge (je nachdem, was als Nächstes kommt):
- Roto Hoe für schnelle Oberflächen-Feinarbeit und das Stören von Keimunkräutern
- Single Wheel Hoe für die Hackarbeit zwischen Reihen, sobald Kulturen stehen
- NanoTrack MK2, wenn du dir über die Zeit ein schnelleres Kultivierungssystem aufbauen willst
Die komplette Auswahl findest du hier: Werkzeuge für die Marktgärtnerei.
FAQ
Zählt das Lockern mit der Doppelgrabegabel als Bodenbearbeitung?
Ja – es ist Bodenstörung, aber keine wendende Bodenbearbeitung. Du knackt und belüftest, ohne Schichten zu drehen. Für viele ist es der praktische Mittelweg: minimaler Eingriff, aber eine echte Lösung bei Verdichtung
